Wer nach Graffiti in Karlsruhe sucht, findet keine offizielle Karte der legalen Sprühflächen, wohl aber einen amtlichen Katalog der Wandbilder: die städtische Datenbank „Kunst im öffentlichen Raum“. Sie erfasst nach Angaben der Stadt auch Graffiti-Auftragsarbeiten, und das Stichwort „Graffiti“ listet sie auf. Dieser Beitrag fasst zusammen, was dort und in Dokumenten des Gemeinderats belegt ist.
Der Beitrag ermuntert nicht zu illegalem Graffiti. Wo Flächen freigegeben sind und wo nicht, entscheiden die Stadt und die jeweiligen Eigentümer.
Die städtische Datenbank als Katalog
Die Stadt betreibt eine mobile Datenbank „Kunst im öffentlichen Raum“ mit Suche nach Kunstwerken, Künstlerinnen und Künstlern, Entfernung, Ortsteil und Karte sowie einer Favoritenliste. Die Texte und Fotos stammen vom Karlsruher Künstler Karlheinz Bux. Beim Abruf am 27. Oktober 2026 waren 400 Werke einzeln aufrufbar, gegliedert nach Ortsteilen wie Innenstadt-Ost, Oststadt, Südstadt und Durlach.
Zuständig ist das Kulturamt, genauer das Kulturbüro als Fachstelle für Kunst im öffentlichen Raum. Die Kunstkommission empfahl am 1. Juli 2016 das Konzept „Graffiti Art in Karlsruhe“; die Graffiti-Konzepte wurden 2017 verabschiedet. Dauerhafte Werke wie Skulpturen und Brunnen behandelt der Beitrag Kunst im öffentlichen Raum in Karlsruhe.
Ein Foto zeigt als Beispiel ein Wandbild in einer Unterführung in Karlsruhe-Mühlburg. Zu Urheberschaft und Status der Fläche machen wir keine Angaben.
Legale Flächen: Was die Stadt belegt
Die Stadt schreibt in einer Stellungnahme von 2022, „Free Walls“ und „Halls of Fame“ gebe es seit Anfang der 1990er Jahre; die Mobile Jugendarbeit sei von Beginn an an Organisation und Initiierung beteiligt gewesen. Halls of Fame sind temporäre Flächen zur freien Gestaltung und gelten als Gegenpol zu dauerhaften Auftragsarbeiten. Manche gibt die Stadt frei, andere stellen Privatpersonen und Firmen, einige sind nur in Absprache mit den zuständigen Personen oder Einrichtungen nutzbar.
Eine aktuelle, vollständige und amtliche Liste dieser Flächen haben wir nicht gefunden. Seit 2017 erfasst das Combo Hip Hop Kulturzentrum die vorhandenen Halls of Fame (Stand 2022); veröffentlicht war diese Erfassung in den geprüften Quellen nicht. Die einzigen Ortsangaben der Stadt sind alt:
| Jahr der Angabe | Ort | Status laut Stadt |
|---|---|---|
| 2017 | an der Alb, an der Vogesenbrücke, am Spielplatz Seubertstraße, an der Alten Kirche Oberreut, in Wolfartsweier | freigegebene Hall of Fame |
| 2017 | Gewerbeschule Durlach, NCO Club | nach Absprache nutzbar |
| 2017 | Rheinhafen | Künstler sprechen sich mit Firmen und Inhabern ab |
| 2017 | Messplatz am Alten Schlachthof | rund 70 % der früheren Flächen durch Bauarbeiten nicht mehr verfügbar |
| 2021 | Unterführung zwischen Dornwald- und Untermühlsiedlung, Durlach | im März 2021 freigegeben |
| 2018 | Franz-Lust-Unterführung | nicht frei zugänglich, nur in Absprache mit dem Combo |
Die Angaben von 2017 sind nicht aktualisiert. Ob die 2022 vorgeschlagene Kennzeichnung der Flächen mit einem Schild („Free Wall“) und eine sichtbarere Darstellung auf der städtischen Website umgesetzt wurden, haben wir nicht geprüft. Bevor Sie eine Fläche nutzen, klären Sie den Status bei der Stadt oder beim Combo.
Das Combo Hip Hop Kulturzentrum
Das Combo wurde 2005 eröffnet, getragen von der Mobilen Jugendarbeit, Farbschall e. V. und der örtlichen Hip-Hop-Szene. Laut Stadt ist es Urban-Art-Standort und städtisches Jugendzentrum; auf dem Gelände wurden 2017 durch Umzäunung neue Graffitiflächen eingerichtet, nach Absprache für Interessierte offen. Mitglieder des Combo führten mehrere städtische Aufträge aus, etwa an Stadtbahnhaltestellen. Eine eigene Seite des Combo konnten wir nicht abrufen; diese Angaben beruhen auf Gemeinderatsdokumenten.
Zur Haltung der Stadt: Die Akzeptanz von Graffiti-Kunst habe stark zugenommen, die Entfaltungsmöglichkeiten seien jedoch durch Finanzierung und Raum begrenzt (2017).
Dokumentierte Werke
Die folgende Tabelle enthält Werke, die die städtische Datenbank mit Künstler, Ort und Jahr führt. Sie ist eine Auswahl, keine vollständige Liste. Weitere Einträge finden Sie in der Datenbank unter dem Stichwort „Graffiti“.
| Werk / Künstler | Ort | Jahr |
|---|---|---|
| „Frau mit Kind und Sonnenblumen“, Dome (Christian Krämer), Fassadenbild ca. 16 x 8 m | Augartenstraße 68, Südstadt | 2021 |
| Porträt Hermann Schulze-Delitzsch, Dome | Garagenaufgang Augartenstraße 68, Südstadt | 2021 |
| „Graffiti“ (Schlachthofpassage), WUAM, ca. 5 x 18 m | Passage zwischen Musikhochschul-Gelände und Schlachthofareal | im Eintrag nicht angegeben |
| Stadtfuchs-Graffiti, WUAM, ca. 1,75 x 10 m | südwestliche Außenmauer des Messplatzes | seit 2017 |
| Porträt-Graffiti, WUAM, ca. 1,75 x 12 m | westliche Außenmauer des Messplatzes | im Eintrag nicht angegeben |
| Unterführung Albtalbahnhof, Baske ToBeTrue, MotorOne, Sier, Super Soker, Aerso (Combo), ca. 2,3 x 45 m | Ebertstraße 9, Südweststadt | 2017 |
| Haltestelle Haus Bethlehem, Baske ToBeTrue, Sier, MotorOne | Nordweststadt | 2017 |
| Haltestellen August-Bebel-Straße und Kurt-Schumacher-Straße, Combo-Mitglieder | Nordweststadt | 2017 und 2018 |
| Unterführung Mühlburger Bahnhof, Aaron Zeitz, Dennis Mau, Joshua Schöck, Moritz Schwall u. a., ca. 60 x 4 m | Honsellstraße 24, Mühlburg | 2020 |
| Unterführung „Am dm-Platz“, Combo Streetart; Schriftzug „terzeforever“ für Terze (1986–2018) | Durlach | 2021 |
| Unterführung Auer Straße, Künstler aus Spanien, Frankreich und Karlsruhe (Farbschall e. V.) | Durlach | 2012 |
| Unterführung B3, Sier und Matrix (Combo) mit vier Jugendlichen | Grötzingen | 2016 |
| Ständehaus (Südlicher Herrenhof), Baske ToBeTrue und Matricks (Farbschall e. V.) | Innenstadt-West | 2007 |
| „Boote“, Dome | Albufer nahe Durmersheimer Straße, Grünwinkel | 2015 |
| „Tierbildnisse“, WUAM | Ettlinger Straße 6, Zoologischer Stadtgarten | 2018/19 |
| „Fischtreppe“, Combo Streetart | Pfinz bei Saurbrückle, Grötzingen | 2022 |
Bei einigen Einträgen führt die Datenbank Wände, die „in regelmäßigen Abständen“ neu gestaltet werden, etwa nahe dem Messplatz. Was dort steht, kann sich also ändern.
Ein Mural-Festival, das Karlsruhe zugeordnet werden kann, haben wir nicht belegt gefunden und nennen deshalb keines. Belegt sind Ausstellungen mit urbanem Bezug: „ExpoStation“ (2021, Sybelcentrum der Heimstiftung Karlsruhe) und „ExpoStation Areal C“ (2022, Nordstadt).
Südstadt: Werderplatz und Indianerbrunnen
Die Südstadt liegt zwischen östlicher Innenstadt und Hauptbahnhof und entstand nach der Eröffnung des ersten Bahnhofs am 1. April 1843 als Siedlung der Bahnarbeiter. Mittelpunkt des Stadtteils ist der Werderplatz, benannt nach August von Werder. Im mittleren Teil prägen enge Straßen mit gründerzeitlichen Mietshäusern das Bild.
Am östlichen Werderplatz steht der Indianerbrunnen, 1924 bis 1927 vom Bildhauer August Meyerhuber mit Baumeister Friedrich Beichel geschaffen, unter Mitwirkung von Otto Feist. Sein Doppelgesicht zeigt einen Indianer und Beichel; 2018 wurde er generalüberholt. Er ist Wahrzeichen der Südstadt und auf dem Stadtteilwappen abgebildet.
Die „Indianerbegeisterung“ der Südstädter geht laut städtischer Datenbank auf eine Wildwestshow von Buffalo Bill im April 1891 zurück. Daran erinnert die Skulptur „Drei Pfeile für die Südstadt“ von Norbert Huwer (Entwurf 1989, installiert 2004, rund zwölf Meter hoch) an der Rüppurrer Straße 102 beim Tivoli. Am Werderplatz hängt zudem eine Lichtinstallation von Rainer Kehres aus 34 Lampenschirmen (2023, Werderstraße 37).
Als Wandbild belegt die Datenbank für die Südstadt nur das Fassadenbild von Dome in der Augartenstraße 68. Es entstand im Auftrag zum 100. Geburtstag der Genossenschaft GWK. Die Datenbank beschreibt es als monumentales Fassadenbild; eine Reihe weiterer Interventionen war im Eintrag noch nicht realisiert, ihr aktueller Stand ist ungeprüft.
Alter Schlachthof
Nach der Stilllegung Ende 2006 wurde der Alte Schlachthof (Alter Schlachthof 7) zum Zentrum für Kultur- und Kreativschaffende. Dort liegen unter anderem das Tollhaus, die Substage und das Atelierhaus; im Leitbild versteht sich das Areal als Plattform, die Nutzerinnen und Nutzer frei gestalten können.
Das Tollhaus ist seit 1992 auf dem Gelände zu Hause und zeigt Musik, Theater, Tanz und Kabarett. Die Substage, ein gemeinnütziger Live-Musikclub, ist seit 2010 in einer ehemaligen Schlachthalle untergebracht. Das Atelierhaus beteiligte sich 2025 am Kunstrauschen, der Langen Nacht der Projekträume (siehe Galerien und Kunstszene).
Für Graffiti sind die Außenmauern am Messplatz und die Schlachthofpassage dokumentiert (Tabelle oben). 2017 waren am Messplatz durch Bauarbeiten rund 70 % der früheren Flächen nicht mehr verfügbar.
Planung: Warum es hier keine Route gibt
Wir veröffentlichen keinen Spaziergang entlang der Wandbilder. Die Datenbank nennt Adressen, aber Wände werden übermalt und umgestaltet, und wir waren nicht vor Ort, um Standorte zu prüfen. Eine Route mit unsicheren Angaben wäre schlechter als keine.
Praktischer ist dieses Vorgehen:
- In der städtischen Datenbank das Stichwort „Graffiti“ eingeben und nach Ortsteil filtern.
- Die Entfernungs- und Kartenfunktion der Datenbank nutzen, um Werke in der Nähe zu finden.
- Bei Flächen auf Firmen- oder Privatgelände vorab klären, ob und wie sie zugänglich sind; einige Flächen sind laut Stadt nur nach Absprache nutzbar.
- Der Status einer Fläche, etwa als Hall of Fame, lässt sich bei der Stadt oder beim Combo erfragen.
Wer Kunst im Stadtraum abseits von Graffiti sucht, findet im Beitrag Kunst im öffentlichen Raum Skulpturen und Installationen. Weitere Ideen für einen Tag bietet Kunst erleben in Karlsruhe; Ausstellungen und Termine sammelt Ausstellungen in Karlsruhe.
Wände sind Kunstwerke auf Zeit. Das macht die Datenbank der Stadt wertvoll: Sie hält fest, was an einer Mauer stand, auch wenn dort inzwischen etwas anderes zu sehen ist.
Häufige Fragen
Wo darf man in Karlsruhe legal sprühen?
Die Stadt spricht von „Free Walls“ und „Halls of Fame“, die es seit Anfang der 1990er Jahre gibt. Manche sind freigegeben, andere nur nach Absprache nutzbar. Eine aktuelle, vollständige amtliche Liste haben wir nicht gefunden; die letzten Ortsangaben der Stadt stammen von 2017 und 2021.
Gibt es einen Stadtplan mit Street Art in Karlsruhe?
Die Stadt führt die Datenbank „Kunst im öffentlichen Raum“ mit Suche, Ortsteilen und Karte. Das Stichwort „Graffiti“ zeigt laut Stadt (2022) die erfassten Graffitiwerke an.
Gibt es in Karlsruhe ein Street-Art-Festival?
Ein eigenständiges Mural-Festival in Karlsruhe haben wir nicht belegt gefunden und nennen deshalb keines.
Grundlage dieses Beitrags
Wir haben die Angaben mit diesen Quellen abgeglichen (ohne Verlinkung, siehe Redaktionsgrundsätze):
- Stadt Karlsruhe, Kulturamt: Kunst im öffentlichen Raum (mobile Datenbank) (abgerufen am 27. Oktober 2026)
- Stadt Karlsruhe, Kulturausschuss 27.10.2022: Stellungnahme zu Antrag 2022/0807 (Graffiti und Street Art-Flächen) (abgerufen am 27. Oktober 2026)
- Stadt Karlsruhe, Gemeinderat 26.09.2017: Stellungnahme zu Vorlage 2017/0533 (Graffiti-Konzepte) (abgerufen am 27. Oktober 2026)
- Stadt Karlsruhe, Datenbank Kunst im öffentlichen Raum: Frau mit Kind und Sonnenblumen (abgerufen am 27. Oktober 2026)
- Stadt Karlsruhe, Datenbank Kunst im öffentlichen Raum: Indianerbrunnen (abgerufen am 27. Oktober 2026)
- Wikipedia: Südstadt (Karlsruhe) (abgerufen am 27. Oktober 2026)
- Tollhaus Karlsruhe: Das Tollhaus (abgerufen am 27. Oktober 2026)
- Substage Karlsruhe: Das sind wir (abgerufen am 27. Oktober 2026)