Medienkunst ist Kunst, die technische Medien nicht nur als Hilfsmittel benutzt, sondern zum Thema und zum Material macht. Das können ein Videoband sein, ein Computerprogramm, ein Spiel, ein Klangraum oder eine Projektion auf eine Fassade. Karlsruhe hat daraus ein Profil gemacht: Das ZKM, die Hochschule für Gestaltung und der Titel „UNESCO City of Media Arts“ stehen für diesen Anspruch.

Dieser Text erklärt zuerst das Feld in allgemeinen Begriffen und dann, was Karlsruhe belegbar dazu beigetragen hat. Er endet mit Hinweisen, wie sich Medienkunst anschauen lässt.

Was Medienkunst ist

Eine einzige Definition gibt es nicht, und die Grenzen sind fließend. Als Orientierung helfen fünf Formen, die in Ausstellungen immer wieder vorkommen:

  • Videokunst: bewegte Bilder, die nicht als Film erzählen müssen, sondern als Kunstwerk im Raum, auf Monitoren oder in Installationen gezeigt werden.
  • Interaktive und computerbasierte Kunst: Arbeiten, die auf Besucherinnen und Besucher reagieren oder auf Software beruhen. Das Werk entsteht erst im Zusammenspiel.
  • Spiele: Games werden in Ausstellungen als eigene Form untersucht, nicht nur als Unterhaltung.
  • Klang und Sound Art: Kunst, die mit Räumen, Lautsprechern und akustischen Strukturen arbeitet.
  • Projektion: Licht und Bild auf Flächen, von der Leinwand bis zur Gebäudefassade.

Gemeinsam ist diesen Formen, dass sie sich oft nicht wie ein Gemälde einmal betrachten lassen. Sie haben eine Dauer, verlangen manchmal Handlung und hängen von Technik ab, die gewartet werden muss. Das macht Medienkunst für Museen zu einer besonderen Aufgabe: Sie sammeln und zeigen Werke, die veralten können.

Der Ausgangspunkt: das ZKM

Das ZKM | Zentrum für Kunst und Medien wurde 1989 gegründet. Laut Selbstbeschreibung steht es für „einen offenen Kunstbegriff im digitalen Zeitalter“ und verbindet die Arbeit an Sammlung und Archiv mit künstlerischer Forschung. Das Programm umfasst Ausstellungen, Symposien, Publikationen, Konzertprogramme und digitale Formate; seit 1989 sind mehr als 400 Publikationen erschienen.

In der Gründungsphase brachte Jürgen Claus die Idee eines „elektronischen Bauhauses“ ein, so beschreibt es die Entstehungsseite des Hauses. Mehr als diese Erwähnung führen wir hier nicht aus.

Das ZKM ist eine Stiftung öffentlichen Rechts mit dem Land Baden-Württemberg und der Stadt Karlsruhe als Trägern. Seit 1997 sitzt es im denkmalgeschützten Hallenbau A, einer ehemaligen Munitionsfabrik. Die Geschichte des Gebäudes gehört zur Karlsruher Erzählung dazu: Es entstand 1915 bis 1918 für die Deutsche Waffen- und Munitionsfabriken AG, im Dritten Reich wurde dort Zwangsarbeit eingesetzt, eine Gedenktafel am Haupteingang erinnert daran.

Die wissenschaftlich-künstlerische Leitung hat Stand Oktober 2026 Alistair Hudson, Geschäftsführer ist Holger Neinhaus.

Die Hochschule für Gestaltung

Die Staatliche Hochschule für Gestaltung (HfG) Karlsruhe wurde am 15. April 1992 eröffnet. Gegründet wurde sie in den Jahren 1989 bis 1992 gemeinsam mit dem ZKM von Heinrich Klotz. Zu den Fächern zählen laut Hochschule Kommunikationsdesign, Produktdesign, Medienkunst und Kunstwissenschaft; rund 400 Studierende sind eingeschrieben. Das ZKM und die HfG stehen in enger Verbindung, die gemeinsame Fördergesellschaft heißt „ZKM / HfG e.V.“.

Für Besucherinnen und Besucher bedeutet das: Medienkunst ist in Karlsruhe nicht nur ein Ausstellungsthema, sondern wird auch ausgebildet.

UNESCO City of Media Arts

2019 wurde Karlsruhe von der UNESCO als erste und bisher einzige Stadt in Deutschland zur City of Media Arts ernannt. Die Stadt ist damit Mitglied im UNESCO Creative Cities Network. Die Timeline der Stadt nennt für 2019 zudem ein Projektförderprogramm für Medienkunst über 100.000 Euro.

Seit 2019 zeigen außerdem die „Seasons of Media Arts“ von ZKM und Stadt Karlsruhe Medienkunstwerke im Stadtraum. Die Timeline verzeichnet für 2022 den Namen „Media Art is Here“. Ob die Seasons offiziell in „Media art is here“ umbenannt wurden, ist in den abgerufenen Quellen nicht belegt; wir behandeln beides als zusammenhängende Formate. Für 2027 kündigt die Website der Schlosslichtspiele an, dass Arbeiten im Rahmen der Ausstellung „Media art is here“ parallel zum Lichtfestival entstehen.

Medienkunst im Stadtraum: Schlosslichtspiele

Die Schlosslichtspiele projizieren Bilder auf die Fassade des Karlsruher Schlosses. Sie fanden erstmals 2015 zum 300. Stadtgeburtstag statt und haben nach Angaben des Veranstalters, der KME Karlsruhe Marketing und Event GmbH, rund 300.000 Besucher im Jahr. Der Eintritt ist frei. 2026 lief die zwölfte Ausgabe vom 13. August bis 13. September unter dem Motto „Lightyard Stories“; für 2027 sind der 12. August bis 13. September angekündigt.

Das ZKM beteiligte sich 2026 mit der Premiere „TIME³ X !lli“ der ZKM Summer School am 5. September um 21 Uhr. Die Schlosslichtspiele sind ein Beispiel für Projektion als Medienkunstform im öffentlichen Raum, ohne Museumseintritt.

Anreise und Besuch im ZKM

Das ZKM liegt in der Lorenzstraße 19. Vom Hauptbahnhof fährt laut ZKM die Straßenbahnlinie 6 (Richtung Arbeitsagentur) bis zur Haltestelle „ZKM“, die Fahrt dauert etwa sechs Minuten. Das Haus ist montags und dienstags geschlossen, mittwochs bis freitags von 10 bis 18 Uhr und am Wochenende von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 14 Euro (ermäßigt 10 Euro), unter 18 Jahren ist er frei. Eine Vorabreservierung ist nicht nötig.

Was derzeit im ZKM zu sehen ist

Die folgenden Ausstellungen laufen oder starten laut Ausstellungsseite des ZKM (Stand Oktober 2026). Zu den Inhalten geben wir nur wieder, was die Titel nennen.

AusstellungZeitraumHinweis
Silver Egg. Die Sinnlichkeit der Medienkunstbis 21. Februar 2027Der Titel nennt die Sinnlichkeit der Medienkunst
Der Fernseher als Galerie. Das Archiv Gerry Schum und Ursula Weversbis 10. Januar 2027Der Titel nennt das Archiv von Gerry Schum und Ursula Wevers
Hidden on Tape. Frühe Videokunst in Europaab 28. November 2026Vorschau
zkm_gameplay. the next levelDauerausstellunglaut ZKM „über 50 Spiele ausprobieren“
playABLE. zkm_gameplay Level 5DauerausstellungDauerausstellung zum Spielen

Dazu kommen „The Story That Never Ends. Die Sammlung des ZKM“ bis 21. Mai 2028 und die frei zugänglichen Schauen „Hans Hollein. Car Building“ (bis 27. Juni 2027) und „William Forsythe. Choreographic Instructions“ (bis 8. August 2027). Weitere Planungshinweise finden Sie im Beitrag zum ZKM.

Die beiden Spielausstellungen lassen sich selbst ausprobieren. „Hidden on Tape“ widmet sich laut Titel der frühen Videokunst in Europa und beginnt am 28. November 2026.

So schauen Sie Medienkunst an

Medienkunst verlangt einen anderen Blick als ein Gemälde. Drei Hinweise helfen.

Zeit einplanen. Videoarbeiten haben Anfang und Ende. Wer nur zwei Minuten bleibt, sieht möglicherweise den Mittelteil. Ein Blick auf die Länge oder auf den Beginn einer Schleife lohnt sich, sofern die Beschilderung sie nennt.

Auf den Ton achten. Viele Arbeiten haben Klang. Kopfhörer, Richtlautsprecher oder ein Raum, der als Ganzes klingt, gehören zum Werk. Wer ihn überhört, sieht nur die Hälfte.

Berühren, wenn es erlaubt ist. Bei interaktiven Arbeiten und Spielen ist die Handlung vorgesehen. Wo Texte oder Hinweise im Raum stehen, sollten Sie sie lesen: Sie sagen, was erlaubt ist und was empfindlich.

Auch die Technik gehört zur Sache. Ein Gerät, das gerade nicht funktioniert, ist kein Zeichen von Nachlässigkeit, sondern Teil der Aufgabe, die Medienkunst Museen stellt. Fragen Sie das Aufsichtspersonal. Ein Ticket gilt im ZKM auch für die Kunsthalle-Präsentation „See You“; freitags ab 14 Uhr sind die ZKM-Ausstellungen laut Haus kostenfrei, weitere Hinweise unter Kunst in Karlsruhe kostenlos erleben.

Ein Gedanke zum Schluss

Dass eine Stadt sich über Medienkunst definiert, ist riskanter als bei klassischen Sammlungen: Die Werke altern schneller, die Technik wechselt, die Begriffe wandern. Karlsruhe hat dafür mit dem ZKM, einer Hochschule und einem öffentlichen Festival drei verschiedene Ankerpunkte. Wer dort Medienkunst sieht, sieht nicht nur Werke, sondern ein langes Experiment, wie man mit ihnen umgeht.

Häufige Fragen

Was ist Medienkunst?

Ein Sammelbegriff für Kunst, die mit technischen Medien arbeitet, etwa Video, computergestützten und interaktiven Arbeiten, Klang, Spielen oder Projektion. Die Grenzen zu anderen Kunstformen sind fließend.

Warum gilt Karlsruhe als Stadt der Medienkunst?

Das ZKM wurde 1989 gegründet, die HfG hat Medienkunst als Fach, und 2019 wurde Karlsruhe von der UNESCO als erste und bisher einzige deutsche Stadt zur City of Media Arts ernannt.

Welche Medienkunst-Ausstellungen laufen derzeit im ZKM?

Stand Oktober 2026 unter anderem „Silver Egg. Die Sinnlichkeit der Medienkunst“ (bis 21. Februar 2027) und „Der Fernseher als Galerie“ (bis 10. Januar 2027); am 28. November 2026 beginnt „Hidden on Tape. Frühe Videokunst in Europa“.

Grundlage dieses Beitrags

Wir haben die Angaben mit diesen Quellen abgeglichen (ohne Verlinkung, siehe Redaktionsgrundsätze):

  • ZKM | Zentrum für Kunst und Medien: Das ZKM (abgerufen am 27. Oktober 2026)
  • ZKM | Zentrum für Kunst und Medien: Entstehung und Philosophie (abgerufen am 27. Oktober 2026)
  • ZKM | Zentrum für Kunst und Medien: Organisation (abgerufen am 27. Oktober 2026)
  • ZKM | Zentrum für Kunst und Medien: Ausstellungen (abgerufen am 27. Oktober 2026)
  • HfG Karlsruhe: Hochschule (abgerufen am 27. Oktober 2026)
  • Stadt Karlsruhe: Medienkunst und Film (abgerufen am 27. Oktober 2026)
  • Karlsruhe City of Media Arts: Timeline (abgerufen am 27. Oktober 2026)
  • KME Karlsruhe Marketing und Event GmbH: Schlosslichtspiele (abgerufen am 27. Oktober 2026)